Barkley #1: Swimrun

Von Lisa

Unser erster Barkley war ein Swimrun. 18 km, davon gut 2 km Schwimmen und gut 15 km Laufen. Am Vortag hatten wir den Start inspiziert und für erfreulich sauber und idyllisch befunden – nach unserer Generalprobe im Langener Waldsee, der geschäumt und gestunken hat, war das schon mal beruhigend.

Wir wurden mit den Bussen zum Start gefahren und schon beim Einsteigen war klar: Die sehen alle nicht aus wie wir. Viel sportlicher, und von der entspannten Volkstriathlon-Atmosphäre, die wir bisher kannten, war hier nichts zu spüren. Auf dem Weg zum Start haben sich hinter uns im Bus zwei Mädels unterhalten „… und dann wurde ich bei den deutschen Meisterschaften nur Sechste, voll blöd…“ Aha.

Am Start selbst haben wir uns dann ganz hinten eingereiht und uns zuerst gefreut, dass wir da nicht ganz alleine sind, sondern noch eine Frau bei uns ist. Wie schön, dachte ich, noch eine Frau, die hier mitmacht, sieht auch ganz freundlich aus… Und eine Boje hat sie auch dabei, sehr vernünftig! (Meine Boje war im Rucksack, für alle Fälle – nach dem Erlebnis im Langener Waldsee war ich nicht bereit, den Lauf ohne Boje zu machen). Aber warum hat der Veranstalter ihr denn eine rote Badekappe gegeben? Nach und nach dämmerte mir, dass die freundliche Frau nicht etwa eine nette Einzelstartein war, sondern der Besenwagen! Hmpf!

Auf dem ersten Schwimmabschnitt war noch ein anderes Team in Sichtweite, die beiden hatten sich aber wohl verletzt und sind recht bald ausgestiegen. Ab dann waren es Lars, der Besenwagen und ich. Wir wollten das große Gedrängel ja vermeiden, aber sooo wenig Leute um uns herum? Die ersten paar Abschnitte waren mühsam: Plötzlich laufe ich nicht mehr alleine, sondern muss noch nach Lars schauen. Der rennt in die falsche Richtung, schwimmt mir ins Sichtfeld und nimmt beim Laufen die Ohrstöpsel nicht raus, so dass ich ihn permanent anbrüllen muss. Wusste gar nicht, dass Teamsport so mühsam ist. Bisher fühlt es sich an, als ob es alleine einfacher wäre.

Ab der dritten Schwimmeinheit geht es dann, Lars hat verstanden, was ich mit „Bleib mit deinem Kopf auf Hüfthöhe“ meine und erinnert sich auch wieder, wo die Hüfte so ungefähr ist. Das Laufen geht ganz ok; erschwert werden die Wechsel allerdings dadurch, dass wir unsere Trinkrucksäcke dabei haben, da die Verpflegungsstationen für unseren Geschmack zu weit auseinander liegen und außerdem laut Beschreibung nur Obst und Wasser haben. Mit Obst und Wasser komme ich aber nicht über diese Distanz, ich brauche Iso, Riegel und Gel (und die Boje… zur Sicherheit), also gehen die Rucksäcke mit. Der Nachteil dabei ist, dass sie sich beim Schwimmen mit Wasser füllen und danach erst mal geleert werden müssen. Auch der Tipp unseres Besenwagens „Nimm doch nur eine Notration mit“, hilft da nicht weiter. Das hier ist meine Notration! Das ist ein Barkley, ich brauch Essen und Wasser!

Zwischendurch versucht unser Besenwagen, sich mit uns zu unterhalten. Muss das sein? Iˋm a high functioning sociopath. Lars ist da gesprächiger und geduldiger, aber selbst er ist genervt, als sie fragt, „Macht ihr das nächstes Jahr wieder?“ – „Äh – mal sehen.“ – „Naja, ihe könnt ja auf die kurze Strecke gehen.“ Bitte was? kurze Strecke? Nein, danke! Es soll ja wohl eine Herausforderung sein. Immerhin kündigt sie an, dass sie selbst nicht die ganze Strecke schafft und wir ab km 10 einen neuen Besenwagen bekommen. Aha, denke ich. Geh doch selbst auf die kurze Strecke…

An den Verpflegungsständen begrüßt unser Besenwagen die Helfer mit „Wir sind die Letzten, ihr könnt abbauen“. Daraufhin werden uns jedes Mal reichlich Obst und Wasser angeboten: „Nimm doch noch, es ist noch so viel da“ – ungefähr so wie bei alten Tanten zum Kaffee.

Das Laufen klappt mal besser, mal schlechter, immer mal wieder habe ich Seitenstechen. Bei mir sticht das allerdings mehr unter dem Rippenbogen, früher auch gerne im Hals / Schulterbereich. Vielleicht doch zu viel gegessen und getrunken? (An dieser Stelle bitte keine „hilfreichen“ Tipps. Ich habe bereits das Internet ausreichend dazu befragt.) Das Schwimmen dagegen ist überraschend angenehm in den klaren Seen. Da Lars nicht so schnell schwimmt, ist es auch richtig erholsam. Auch das „lange“ 500 m Stück, für das ich die Boje dabei hatte, ist gar nicht so schlimm.  Ich fühle mich mitten im See wohl, es stört mich nicht, dass ich den Boden nicht sehe und das Ufer weiter weg ist. Es hilft sicher auch, dass die DLRG immer neben uns her paddelt, und dass das Wasser nicht unangenehm riecht. Eigentlich riecht es gar nicht.

Endlich erreichen wir km 10. Ich schaffe es, mich bei Besenwagen Nr.1 zu bedanken (So viel Sozialverhalten bei einem Lauf zeige ich normalerweise nicht) und esse reichlich von dem angebotenen Obst und Gels (zu reichlich? Das Seitenstechen meint ja.) Hier ist wohl die kurze Distanz gestartet, und wir sind uns einig, dass man dann einiges verpasst. Wir werden  vom Sani kurz gefragt, ob es uns noch gut geht – ja, es geht uns gut, und ich bin sicher, dass wir das schaffen! Das ist eigentlich das beste Gefühl bei einem Barkley, wenn man weiß, dass man es schafft. Ich finde das sogar besser als das Gefühl im Ziel. Dort bin ich dann oft mit dem ein oder anderen unzufrieden. Das Gefühl auf der Strecke, wenn man weiß, ich schaffe das heute, ist für mich sehr viel schöner.

Nach kurzem Ausruhen geht es weiter auf die 2. Hälfte. Lars bricht beim Schwimmen deutlich ein, und auch ich fange an, Brust zu schwimmen. Das wird sich rächen, da die Rucksackträger jetzt an den Armen scheuern und wunde Stellen zurücklassen, was beim Kraulen nicht der Fall war. Am Start hatte mich noch ein Typ gefragt, ob ich Vaseline dabei habe, ich fand das als Einstiegsfrage etwas seltsam. Vielleicht meinte er, für die Rucksackträger…? Werde beim nächsten Mal den Trinkrucksack durch einen Trinkgürtel ersetzen.

Die DLRG beobachtet Lars jetzt aufmerksamer, lässt uns aber gewähren – keine aufmunternden Sprüche, kein Mitleid. Vielen Dank dafür! Als wir uns dem Ziel nähern, geht es ein Stück durch den Ort, an der Seepromenade entlang, die wir uns mit vielen Rentnern teilen. Manche feuern uns an, bei anderen kommen Sprüche wie „Schneller! In dem Tempo könnt ihr ja noch einen Kaffee trinken.“ Nach meinem bösen Blick hat die Gattin des Rentners ihn dann zurechtgewiesen. Meinen Standardspruch für freche Rentner verkneife ich mir auch hier. So viel Sozialverhalten bei mir? Ob ich das bis ins Ziel durchhalte?

So ganz durchgehalten habe ich das mit dem Sozialverhalten nicht, als kurz vor dem Ziel mein Seitenstechen besonders schlimm wurde und ich gehen musste, hat unser Besenwagen Nr. 2 versucht, uns anzufeuern und zu ermutigen: „Lauf noch ein Stück. Es ist nicht mehr weit.“ Ja, ich weiß, dass es nicht mehr weit ist. Ich habe starke Schmerzen. Im Bauch. Es sticht, und es tut weh. Bei jedem Schritt. Und es ist wahnsinnig frustrierend, trotz all des Trainings immer wieder Seitenstechen zu haben. Daher sage ich dann auch dem Besenwagen, dass ich durchaus weiß, dass es nicht mehr weit ist, und dass seine Kommentare nicht besonders hilfreich sind. Daraufhin hält er sich zurück und trabt 2m hinter uns her. Warum nicht gleich so?

Das letzte Stück müssen wir nochmal schwimmen, Lars ist inzwischen wirklich langsam, besonders schnell bin ich auch nicht mehr. Grundschüler beim Seepferdchen schwimmen ungefähr so. Mir ist das peinlich, weil jetzt im Ziel alle zuschauen (also alle, die noch da sind – die meisten sind wohl schon länger im Ziel, und man wartet nur noch auf uns). Irgendwie kommen wir dann an; bei Aussteigen verrenke ich mir noch die Hüfte, und dann haben wir es geschafft. 3:47! Geplant waren 3:30, das sind 10% Abweichung – für einen ersten Versuch ist das ok.

Im Ziel gibt es dann eine Medaille für jeden (Medaille! Meine erste Medaille!), alkoholfreies Bier und Nudeln. Und viele aufmunternde Sprüche der Sorte „Kopf hoch, dabei sein ist alles“. Hallo? Ich habe hier einen Barkley geschafft! Ich muss nicht aufgemuntert werden!

Fazit: Hat Spaß gemacht. Würde mehr Spaß machen, wenn wir nicht die einzigen Langsamen wären.

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