Mini-Barkley GR53: 3 Etappen in 2 Tagen

Als großer Vogesen-Fan, und nachdem sich Lars und Lisa dieses Jahr einen Wander-Führer für eine Vogesen-Durchquerung gekauft haben (stilecht auf Französisch, von der Fédération Française de Randonnée Pédestre), hat Lars entschieden, die Qualität des Wanderführers anhand der ersten 3 Etappen zu testen. Es liegt für Lars ja sowieso noch die Planung einer Mehrtages-Wanderung in der Vorratskammer, und die letzte Mehrtageswanderung von Lars und Lisa war im Wander-Führer viel harmloser beschrieben, als sie dann in der Realität war (ausgesetzte Stellen, ultra-sportliche Gehzeiten). Also eine gute Gelegenheit, die Qualität des neuen Wander-Führers zu prüfen und mal wieder eine mehrtägige Tour auszuprobieren.

Lars hat den nördlichen Einstieg von Wissembourg nach Niederbronn-les-Bains für die zwei Tage gewählt. Beide Orte sind mit der SNCF via Haguenau erreichbar, und Lars hat am Vortag das Auto an den Bahnhof in Niederbronn-les-Bains gestellt, um dann mit dem zweiten Bus über Haguenau nach Wissembourg zu fahren. Den ersten hat Lars verpasst, weil er ahnungslos am Gleis stand und vergeblich auf einen Zug gewartet hat, bis ihm eine nette ältere Dame erklärt hat, dass sich der Fahrplan auf Busverkehr bezieht.  Vorher hat Lars noch Käse, Schokolade und Obst gekauft, und abends in der Altstadt gabs Pasta-Party mit Käsespätzle.

Am nächsten Morgen pünktlich um 8.00 noch ein frisches Baquette gekauft, und dann ging’s los für Lars. Laut Wander-Führer stehen knapp 30 km auf dem Programm und 8h 15 min prognostizierte Wanderzeit, dass hat für Lars schon Mini-Barkley-Charakter. Die letzten Wanderungen und Trails mit Lisa waren eher 10-20 km lang, daher lieber früh losgehen und hinten „Puffer“ haben.

Die ersten Kilometer geht’s aus Wissembourg raus und moderat bergauf. Die Landschaft ist noch recht unspektakulär und das Wetter auch. Sowieso sind die beiden Tage bedeckt und wenig sonnig gemeldet, von der Wetter-Seite kann Lars also wenig Zusatz-Motivation erwarten.

Der GR53 ist wie erwartet extrem gut ausgeschildert, so dass der Wander-Führer eigentlich wenig zusätzliche Hilfe bietet, und er ist wie erwartet quasi menschenleer. Lars hat in den beiden Tagen auf dem GR53  „außerhalb der Burgen“ exakt drei weitere Wanderer getroffen. Dafür gab’s ein paar Mountainbiker, die mit vollgefederten Rädern bereitwillig Hilfe anboten, als Lars im Wander-Führer gelesen hat („Perdu?“).

Nach so zirka 8 km gings dann langsam „richtig“ in den Wald und weiter bergauf. Leider gibts keine separaten Höhenprofile für die einzelnen Teil-Etappen, so dass sich Lars  über die Höhenlinien der Karten rausfinden musste, ob es jetzt weiter bergauf geht oder auch mal wieder bergab. Ein Blick auf den Forerunner zeigt, dass Lars tendenziell eher schneller ist als der Wanderführer prognostiziert. Daher erstmal Pause, und ein Käsebaquette schmieren.

Bisher war die Entscheidung, keine Walking-Stöcke mitzunehmen ok, aber die Wahl des Schuhwerks war offensichtlich falsch. Die leichten Jogging-Schuhe sind für einen Mini-Barkley wohl doch nicht das Richtige, und so nach zirka 15 km fängt die rechte Fußsohle an zu schmerzen. Das ist am Anfang noch harmlos, wird Lars aber die restlichen eineinhalb Tage zunehmend nerven!

Nach zirka 20 km kommen dann „die Burgen“, unter anderem Burg Fleckenstein, die ein kleines Cafe besitzt, das Gott sei Dank geöffnet hat. Dort setzt Lars sich ins Warme und zieht sich zwei Milchkaffee, eine Fanta und eine „tarte framboise“ rein. Er ist jetzt doch schon einigermaßen angestrengt, auch wenn’s bisher ganz gut lief. Das Wetter ist zwar immer noch trocken, aber leider auch immer noch kalt-grau-ungemütlich, Also kann sich die rechte Fußsohle ein wenig erholen. Die „Erholung“ rächt sich brutal, als Lars nach der Pause den ersten Schritt macht, und es einige Minuten dauert, bis aus dem Humpeln wieder ein normales Laufen wird. Aber es sind ja noch 10 km bis zum Tages-Endziel, also weiter!

Der Weg wird jetzt zunehmend schmaler und enger und hat Trail-Charakter, was Lars ja gut findet. Er kommt noch an ein paar weiteren Burg-Ruinen vorbei, die Beschilderung ist nach wie vor vorbildlich, und es ist keine Menschenseele unterwegs. Leider ist der Teil der Vogesen nicht besonders „offen“, so dass wirklich hübsche Aussichten Mangelware sind.

Es geht wandertechnisch einigermaßen eben weiter, aber die rechte Fußsohle nervt jetzt richtig, und Lars merkt nun auch, dass die Streckenlänge ganz schön knackig ist. So ab Kilometer 25 würde es jetzt eigentlich auch reichen, aber außer einer weiteren Pause, einem weiteren Käse-Baquette und Obst gibt’s nur Wald. Sehr positiv ist, dass Lars immer noch „gut in der Zeit“ liegt, sprich die im Wander-Führer angegebenen Laufzeiten sind länger als die wirklich benötigten. Also weiter! Kurz vor dem Tagesziel kommt noch die Burg Wasigenstein, die auch im „Walthari-Lied“ eine Rolle spielt. Die Burg lässt sich begehen, und obwohl Lars schon ganz schön fertig ist gönnt er sich die Burg-Besteigung (trotz der abenteuerlich steilen Treppen – aber es gibt ja ein Geländer). Auf der Burg gibt’s dann endlich ein bißchen Fernsicht, Lars fotografiert fleißig und vergisst seine Fußsohle. Aber leider kommt ab jetzt noch ein Scheuern der Hose in einem für Männer unangenehmen Körperbereich hinzu. Lars verzichtet auf Details.

Nach der Wasigenstein ist es nur noch ein Katzensprung nach Obersteinbach, dem Etappenziel. Es geht raus aus dem Wald über saftige Wiesen, hübsche Pferde und ab zur Unterkunft.

Mein Forerunner sagt: 32,60 km in 08 Stunden 10 Minuten. Der Wander-Führer hat 8 Stunden 15 Minuten prophezeit. Beeindruckend präzise!

In der Unterkunft versorgt Lars erstmal seine diversen Gebrechen (ohne dabei die Blase am kleinen Zeh zu bemerken), duscht ausgiebig und bekommt, nachdem das einzige Restaurant des Ortes spontan geschlossen hat, ein leckeres Abendessen direkt in der Unterkunft serviert. Noch eine kleine Flasche Bier von der Brasserie Fischer, und um 21:30 ist Lars eingeschlafen.

Die zweite Tages-Etappe ist eine „normale“, also knapp 20 km. Aber natürlich steckt der erste Tag in Lars‘ Knochen, und die Fußsohle hat sich auch nur leicht erholt über Nacht. Nach dem leckeren Frühstück noch ein Baquette vom Bäckerwagen gekauft, und dann geht’s um 9:30 los mit Tag 2.

Ein Blick auf die Höhenlinien verrät, dass es erstmal fies bergauf geht. Die Wege sind jetzt fast ausschließlich enge kleine Trails, was sehr hübsch ist, und wieder ist keiner unterwegs. Glücklicherweise hat Lars keine Probleme mehr mit scheuernder Kleidung, aber natürlich meldet sich schon bald die rechte Fußsohle zurück. Aber die verliert, bedingt durch den harten Anstieg, gegenüber dem „außer-Puste-kommen“ an Bedeutung. Auch am zweiten Tag ist die Wegmarkierung wunderbar, und Lars überholt sogar einen weiteren Wanderer auf dem GR53 (den einzigen, den er an diesem Tag trifft).

Der Weg wird wieder eben und es geht teilweise bergab, durch einen Ort mit viel Kühen und viel benzinbetriebenen Laubtrimmern und wieder ab in den ruhigen Wald. Lars wirft immer mal wieder einen Blick in den Wander-Führer, und erkennt jetzt, dass er vor dem vermutlich schlimmsten Anstieg dieses Mini-Barkley steht. Der Weg zieht sich steil, sämtliche breiteren Forstwege ignorierend über 250 Höhenmeter hoch. Da macht Lars doch lieber mal eine Pause und isst sein Käsebaquette und seine Banane.

Frisch gestärkt nimmt Lars den Anstieg in Angriff, gerät ordentlich ins Schwitzen, aber kommt schließlich auf dem Plateau an. Damit ist der schlimmste Anstieg des zweiten Tags geschafft! Nach ein paar Kilometern steht er vor dem letzten Anstieg auf den Grand Wintersberg, dem höchsten Punkt seiner Tour, und dem höchsten Berg der Nord-Vogesen. Der Anstieg ist aber mit Treppen versehen und im Gegensatz zum vorherigen Aufstieg ein Klacks. Oben auf dem Gipfelplateau angekommen – dort ist natürlich auch wieder kein Mensch –  stürmt Lars  sofort auf den 25 m hohen Aussichtsturm und genießt eine wirklich beeindruckende Rundumsicht. Trotz des nur mittelmäßigen Wetters sieht man den Pfälzer Wald, die Südvogesen und die Rheinebene mit Schwarzwald. Genial!

Wieder unten stehend, gehts quasi nur noch bergab Richtung Niederbronn-les-bains. Durch den recht bequemen Abstieg merkt Lars wieder seine Fußsohle, und die beiden Tage stecken ihm jetzt doch arg in den Knochen. Aber nachdem es in Serpentinen steil bergab ging, hat Lars es geschafft und sein Auto am Bahnhof von Niederbronn-les-bains erreicht.

Die zweite Etappe trägt laut dem Forerunner 19,65 km in 5 Stunden 27 Minuten bei. Insgesamt also 52,5 km in zwei Tagen! Schon irgendwie ein Mini-Barkley!

Lars ist sehr stolz auf sich, aber auch ziemlich fertig und gönnt sich in Niederbronn-les-bains erstmal einen Milchkaffee und eine „tarte framboise“.

 

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