FunRun: Auf der Lahn von Fürfurt nach Limburg

Von Lisa

Zum Abschluss des Urlaubs hatte ich beschlossen, mit den SUP auf der Lahn zu paddeln. Um das Ganze ein bisschen anspruchsvoller zu machen, wollte ich weiter paddeln als bei meinen bisherigen Touren, und zwar bis Limburg. Da ich mit dem SUP nicht durch den Schifffahrtstunnel bei Weilburg wollte (hätte allerdings mehr Barkley-Punkte gegeben!), bin ich in Fürfurt gestartet. Dort wird man erst mal von einem Plakat begrüßt, das für Friedhöfe Werbung macht. Wozu denn das? Bleibt einem ja kaum was anderes übrig, wozu dann die Werbung? Spätere Recherche zeigt, dass wohl ein Steinmetz die Werbung aufgehängt hat, da bei der Bestattung im Friedwald der Angehörige nicht richtig trauern kann der Steinmetz kein Geld verdient.

Beim Aufbau des SUP kam dann auch schon das erste Hindernis: Wo sind die beiden anderen Teile des Paddels? Hmmm… Tasche durchsucht, Kofferraum durchsucht: Beides Mal Fehlanzeige. Na, dann wird das wohl eher ein Sitzpaddeln als ein Stehpaddeln… geht ja auch… und sollte ja ohnehin eine eher gemütliche Tour werden.

Beim Einstieg in die Lahn macht mich ein Schild darauf aufmerksam, dass das hier Willys Anlegestelle ist. Hier darf nur Willy in die Lahn steigen, und andere nur mit Genehmigung von Willy. Da Willy glücklicherweise nicht in Sicht ist, steige ich trotzdem ein.
Gleich darauf kommt die erste Schleuse. Der Plan ist, das SUP um die Schleusen herum zu tragen. An sich trägt es sich ja ganz gut, aber mit dem Gepäck vorne drauf ist es doch ziemlich unhandlich. Nachdem ich das beladene SUP durch die halbe Schleuse geschleppt habe, beschließe ich, SUP und Gepäck doch besser getrennt zu tragen, um nicht mit allem zusammen die Treppe runter in die Lahn zu fallen, und ab da geht es besser. Hier geht auch zum ersten Mal der Puls ein bisschen hoch; ansonsten meldet er während der gesamten Tour „kein Bereich“.

Nach einer Stunde werde ich langsam hungrig. Nach knapp 2 Stunden kommt dann ein Fleckchen, was ganz idyllisch ist, und ich halte an und esse meinen Bulgursalat. Bisher war außer mir kein Mensch zu sehen, jetzt kommen die ersten Paddler. Sogar mit Gesang: „Da ging ich am Ufer der Donau entlang…“ Ist das hier ein Junggesellenabschied? Oder einfach nur ein Donnerstagmorgen, an dem junge Männer Lieder über Vergewaltigungen singen?

Genervt mache ich mir einen Kaffee. Hier kommt der Trangia zum Einsatz, der in den letzten Jahren ein trauriges Keller-Dasein gefristet hat. Funktioniert immer noch einwandfrei!

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Als nächstes kommt eine Schulklasse; hier kein Gesang, sondern laute Beschallung vom Handy. Immerhin winken sie und rufen hallo.

Ich gebe der Schulklasse noch etwas Vorsprung und versuche in der Zwischenzeit, meine Füße zu trocknen, die ebenso wie die Hose recht nass sind. Es gibt zwar nicht viel Strömung auf der Lahn, aber mit dem tief liegenden SUP reichen auch kleine Wellen aus. Immerhin habe ich die „dry“ Socken dabei, die ich vor Jahren mal gekauft habe, um im Regen zu joggen. Zum Joggen sind sie wirklich nur bei Eiseskälte und strömendem Regen zu gebrauchen, da meine Füße ansonsten sofort überhitzen, aber hier leisten sie richtig gute Dienste. Einmal auswringen, wieder anziehen – fühlt sich ok an.
Es gibt mir allerdings zu denken, dass ich zwei trockene Oberteile, aber keine trockenen Socken mitgenommen habe. So gut es geht, versuche ich, mit den Ärmeln der Oberteile die Schuhe von innen zu trocknen.

Als das halbwegs gelungen ist, paddele ich weiter, nicht ohne beim Einsteigen in die Lahn zu treten. Also noch mal von vorne: Schuh aus, Socke auswringen, wieder anziehen – weiter. Auf dem nächsten Stück lasse ich mich treiben und gebe dem SUP nur ab und zu einen Schubs in die richtige Richtung. Wenn keine Wellen da sind, kann man sich nach hinten lehnen und dösen. Das mache ich dann auch für die nächsten Kilometer.

Bei der nächsten Schleuse trage ich erst die Tasche, dann das SUP, das klappt wesentlich besser. Hier ist wieder eine Gruppe Paddler, alle mit Schwimmwesten. Der Herr, der die Schleuse bedient hat, ist so groß, dass ihm die Lahn höchstens bis zur Hüfte gehen würde, aber sicher ist sicher.

2017-09-15-18-30-00

So langsam komme ich in Gegenden, die ich noch nicht kenne. Orte mit Burgen gibt es hier, und Motorboote. Ein älterer Herr lernt gerade, ein Motorboot auf der Lahn zu wenden. Besonders erfolgreich ist er dabei nicht.

Gefühlt müsste ich schon fast in Limburg sein, als ich am Ufer einen Wegweiser für den Radweg sehe „Limburg 9 km“. Der letzte Bogen scheint doch weiter als gedacht zu sein. Je näher ich an Limburg komme, desto mehr Menschen sind unterwegs. Pummelige Teenager in Ruderbooten, die mich fast überfahren („Oh, schau mal, ein Board. Wenn die kentert, liegt das ganze Gepäck im Wasser“), rudern an mir vorbei.

Nach einer gefühlten Ewigkeit – Schuhe und Hose sind längst wieder nass, aber das lohnt sich jetzt auch nicht mehr – ist immerhin die Autobahnbrücke zu hören. Zuerst kommt die ICE Brücke in Sicht, dann endlich sehe ich auch die Autobahnbrücke. Unter beiden durch, und dann kommt endlich Limburg. Rechts ist ein Campingplatz, ich muss aber irgendwo links raus und dann zum Bahnhof. Einen Steg, an dem ich rausdarf, gibt es nicht, dafür aber eine einigermaßen zugängliche Stelle zwischen mehreren Tretbooten. Ich ignoriere das Schild, dass ich da gar nicht raus darf, und krabbele zwischen den Tretbooten ans Ufer.

Nchdem ich das SUP in seinen Rucksack gepackt habe, schlage ich mich zum Bahnhof durch. Dort esse ich den Rest des Bulgursalats, während ich auf den Zug warte. Zwei Jugendliche, die vorbeispazieren, tragen Winterjacken mit Fellkragen.

 

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