Pokalerringung (70k) Teil 4: Thåström

Von Lars. Nach den extrem unangenehmen Erlebnissen beim dritten Teil der Pokalerringung mit den Läufergruppen „Frühschoppen“, „FrühschoppenMitSchuss“ sowie „H&M-Umkleide-Gegacker“ gab es ja bei Lisa die Neuplanung dieses Winterbarkleys, der letzten Sonntag bei viel Sonne und wunderbarem Schnee am „Fuchstanz“ sein vielversprechendes Debüt feierte.

Lars hat zusätzlich beschlossen, dass er dem Stammtisch-Gequatsche der Läufergruppen unterwegs mit seinen Bluetooth-Kopfhörern und Thåström in ordentlicher Lautstärke begegnen wird. Er will diesen sch… Pokal haben! Die Vorstellung, dass einer dieser Frühschoppen-Laufkasper als „Belohnung“ für ihr Permanent-Gequatsche auch noch Lars‘ Pokal kriegt („der ist übrig, den kannste haben, Hermonn“) kann Lars schwer ertragen. Also steht er – diesmal ohne Lisa – wieder kurz vor zehn am Vereinsheim, nachdem er sich wie immer auf dem überfüllten Parkplatz in eine Ecke gequetscht hat.

Im Vereinsheim checkt er nochmal, dass er auch wirklich auf der Liste für die Pokalerringung steht, und dann geht’s los. Kopfhörer auf, Thåström einschalten.

Schon auf den ersten zwei Kilometern merkt Lars, dass deutlich weniger Frühschoppler unterwegs sind. Es sind eher Einzelläufer unterwegs. Mit „Miss Huddinge ’72“ geht’s die ersten Steigungen rauf, die Lars langsam angeht – heute sind schließlich 20 km vorgesehen. Das Wetter ist auch heute wieder eine Deprimierung, der Tag reiht sich nahtlos in den 2017/18-Winter ein, den „dunkelsten Winter seit dem Pleistozän“. Leider bestätigt Lars auch Lisas Einschätzung, dass die A66 gegenüber der Lorsbacher Strecke eine Panorama-Straße ist. Aber Lars will seinen Pokal gegen Hermonn verteidigen, und Thåström liefert den passenden Rhythmus zum flotten Laufen – mit „Nere på maskinisten“ geht’s Richtung Teestation.

Auch dort ist das Frühschoppen-Feeling deutlich geringer als beim letzten Mal. Die beiden Helfer lassen über eine kleine Bose-Box dreckigen Speed-Metal laufen, Lars lässt sich seine Trinkflasche mit Tee auffüllen und seinen Laufzettel abhaken. Die lillesport-Handschuhe für zweistellige norwegische Minusgrade sind allerdings völlig überflüssig, Lars gibt sie Speed-Metal-Kalle und begibt sich auf die Zusatz-Runde für die 20km.

Die Zusatz-Runde ist noch leerer als die 10km-Standard-Runde und zumindest landschaftlich ein wenig hübscher, weil weiter oben gelegen. Lars merkt so langsam seine Beine, überholt einen Reiter mit Pferd und tölt-artigem Pferde-Gang, und weicht gerade noch rechtzeitig der frisch gefallenen Pferde-Toilette aus. Puh, Glück gehabt! Dann kommt ein ziemlich fieser Anstieg – Lars spaziert gemütlich hoch und ist trotzdem ziemlich fertig, als er oben ankommt.

Aber ab da geht’s leicht bergab, Lars gönnt sich die erste und einzige Biestmilch dieses Laufs, und zusammen mit der frischen Biestmilch-Power und dem krassen Intro von „Främling överallt“ läuft Lars praktisch wie auf Schienen. Er trifft längere Zeit kaum jemanden, bis er von einem zirka 120jährigen Lauf-Agecanonix grinsend überholt wird. Agecanonix zieht auf kürzester Strecke von Lars weg, obwohl Lars für seine Verhältnisse gut unterwegs ist.

Aber Lars lässt sich von diesem fast surrealen Ereignis nicht verwirren und läuft einigermaßen regelmäßig weiter. An einem langgezogenen Anstieg kommt ihm eine ganze Gruppe von munteren Frühschoppen-Nordic-Walkern entgegen. Aber direkt nach „Främling överallt“ kommt die Sound-Wand von „Axel Landquists Park“ und sorgt dafür, dass Lars auch an dieser potentiellen Lärmbelästigung nett grüßend vorbeijoggt.

Langsam werden die Beine richtig schwer, aber die Teestation kommt früher als Lars eigentlich kalkuliert hatte. Von den 10km der Zusatzrunde zeigt der Forerunner erst 8,5 km. Naja, Lars lässt sich von Speed-Metal-Kalle wieder seine Trinkflasche mit Tee auffüllen, die Bose-Box spielt jetzt etwas, was sich irgendwie nach frühen Anthrax/Megadeth anhört. Ein netter älterer Herr kommt zum Stand und sagt, sie sollen ihm den „dritten Strich gleich mit-eintragen“, was bedeutet, dass er ganz entspannt 30km läuft… Vielleicht ein Kumpel von Agecanonix.

Ich schnappe mir meine lillesport-Handschuhe, ziehe sie aber gar nicht mehr an und gehe auf die letzten zirka 4 km. Das swingende „Ingen sjunger blues som Jeffrey Lee Pierce“ und der leicht bergab führende Pfad sorgen dafür, dass es gut vorangeht. Leider sind die Ziegen und das Schaf mit den geschwungenen Hörnern vom letzten Mal nicht mehr da. Hier ist die Strecke wieder voller, vor mir ist eine Läufergruppe, die aber zu schnell für mich ist. Das Stück neben der Ex-Ziegenweide ist brutal matschig, und sogar meine Pearl Izumi kommen ins Rutschen – ansonsten geben sie 1A-Halt, das ist echt bewunderswert.

Jetzt geht’s langgezogen bergab, und ich mache es wie Lisa beim letzten Mal und gebe auf diesen Strecken ordentlich Gas. Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass ich überraschend gut in der Zeit liege, und ich spaziere Richtung Waldparkplatz. Ab hier sind es nur noch zirka 10 Minuten bis zur Halle. Auf dem letzten Stück überholt mich ein mittelalter Herr, dessen Schuhwerk anscheinend nicht ganz so viel Sicherheit gibt wie meine Pearl Izumi. Der arme Herr rutscht bei jedem dritten Schritt aus, ich sehe mich vor meinem geistigen Auge schon den Arzt rufen, weil der Herr mit Meniskusschaden stürzt, aber wie ein Wunder kommt er mit mir heil an der Halle an.

Innen ist es auch deutlich leerer als beim letzten Mal mit Lisa. Es gibt mehrere freie Tische. Ich lasse mir die 20km eintragen und gönne mir eine Erbsensuppe mit Wurst. Geschafft! Lars hatte doch etwas Respekt vor den 20km inkl. den Höhenmetern, aber Thåström hat nicht nur die H&M-Umkleide-Girls und die Frühschoppler akustisch ausgesperrt, sondern auch Lars‘ Laufrhythmus unterstützt. Dem Ziel, den Pokal selbst zu erringen und zu verhindern, dass Hermonn ihn abstaubt, ist Lars ein gutes Stück näher gekommen.

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