Pokalerringung (70k) Teil 5: I did it!

Lars steht ja kurz vor dem Ziel, die Lorsbacher Winterlaufserie mit mindestens 70 Kilometern zu schaffen, und damit den heiß ersehnten Pokal zu erringen. Wir erinnern uns: Lisa hat sich aufgrund der lärmenden Frühschoppler und H&M-Umkleidekabinen-Mädels von diesem Ziel verabschiedet und meidet die Runde, aber Lars will auf keinen Fall, dass sein schon vor-reservierter Pokal Hermonn in die Hände fällt. Also noch einmal am Sonntagmorgen rausquälen.

Wie schon bei den letzten Malen ist der Parkplatz am Sportheim übervoll, aber wie sonst auch kriegt Lars wie durch ein Wunder den letzten freien Platz. Ein gutes Omen! Er vergewissert sich drinnen nochmal, dass alles organisiert ist: da stehen die Pokale schon beim „Zettel-Wart“. Laufzettel abgegeben, und dann geht’s mit Thåström wieder los auf die Strecke.

Es ist knackig kalt und gleichzeitig trocken, auf dem Boden liegt teilweise festgefrorener Schnee. Und als Lars nach kurzem Lauf im Wald ankommt beginnt das Drama: es ist brutal glatt! Wasser ist auf den Waldwegen fest gefroren und macht aus harmlosen Schotterwegen abenteuerliche Eisbahnen. Hier kommen auch Lars‘ Pearl Izumi an ihre Grenzen, die bei den bisherigen Rennen zuverlässig ihre Dienste geleistet haben. Vorsichtig kommt Lars voran, aber die glatten Wege fordern hohe Konzentration. O je, 20km bei diesen Wegverhältnissen! „Nere på maskinisten“ treibt immerhin ein bisschen an, aber das Tempo vom letzten Lauf wird Lars heute nicht gehen können.

Auch andere Läufer haben ihre Probleme mit dem Untergrund, bergab wird teilweise gelaufen. Lars genießt, das ein klein wenig Sonne herauskommt und trabt langsam der Teestation entgegen. Auch dieses Mal sind die norwegischen Langlaufhandschuhe zu warm und werden an der Teestation zurückgelassen. Dort läuft dieses Mal kein dreckiger Speed-Metal, dafür trifft Lars dort den krassen alten Mann wieder, der beim letzten Mal lächelnd drei Runden machte. Aber bei diesen Wegverhältnissen wird auch er diesmal „nur“ 20 km absolvieren, sagt er etwas traurig.

Lars stärkt sich mit dem Tee und geht auf die Zusatzrunde. Recht früh überholt er den alten Mann und trabt zügig von ihm davon. „Ja, ja, jeder in seinem Tempo“ denkt Lars da noch – es war nicht das letzte Mal, dass sich beide begegnen..

Aufgrund der schlechten Wegverhältnisse sind weniger Läufer, aber auch weniger Spaziergänger unterwegs, und auf der Zusatzrunde trifft Lars kaum jemanden. Er muss sich nach wie vor stark konzentrieren beim Laufen, fast jeder Schritt ist ein potentieller Ausrutscher. Schließlich kommt Lars an den vom letzten Mal schon bekannten stärksten Anstieg. Dort geht es wirklich ein gutes Stück hart steil hoch. Lars geht in zügigem Tempo bergauf – und wird hier vom alten Mann gnadenlos abgezogen, der den steilen Weg tatsächlich hochjoggt. „Ja, ja, jeder in seinem Tempo“, denkt Lars, als der Mann am Ende der Steigung aus seinem Sichtfeld verschwindet.

Wie beim letzten Mal gönnt sich Lars nach dem Anstieg eine Biestmilch, und macht sich wieder ans Laufen. „Axel Landquists Park“ sorgt für die notwendige Unterstützung, und Lars denkt schmunzelnd an den Wien-Besuch vor einer Woche: „Kan du bästa vägen till Brno?“

Schließlich kommt Lars wieder an die Teestation (die langsam schon ans Abbauen denkt), holt seine Handschuhe und eine weitere Ladung Tee und macht sich an den Abstieg. Bei den glatten Wegverhältnissen ist insbesondere das Teilstück neben der Ex-Schafweide eine besondere Herausforderung. Lars muss fast gehen, um nicht hinzufallen. Aber anderen geht es auch nicht besser, und bergab zieht Lars an einem Pärchen vorbei, das sichtlich genervt von den Bodenverhältnissen ist.

Aber es sieht gut aus mit der Pokalerringung! Jetzt bloß nicht übermütig werden auf den letzten paar Kilometern, es gäbe nichts Schlimmeres, als wenn sich Lars bei 68 km den Fuß verstauchen würde, und Hermonn zieht dann grinsend mit Lars‘ Pokal ab! Aber zum Glück passiert nichts, und nachdem Lars an einer Gruppe spektakulär langsam schleichender Nordic-Walker mit Stöcken gefährlich nah an Lars‘ Auge unfallfrei vorbei ist, kommt auch schon der Lorsbacher Sportplatz in Sichtweite.

Geschafft! Lars hat tatsächlich seinen Barkley gemeistert und ist 70km offiziell über den Winter gelaufen! Stolz geht er zum „Zettel-Wart“ und sichert sich „seinen“ Pokal. Aber vorher noch schnell eine Erbsensuppe mit Wurst. Die ist diesmal leider etwas wässrig, nachdem sie die letzten Male eher zu dickflüssig war. Naja, Lars denkt an Tante Gertrud, der die Suppe auch nie recht war, und isst in Ruhe auf. Er schaut sich um, es gibt zwar einige Besucher und Läufer im Sportheim, aber recht wenige haben einen Pokal. Stolz geht Lars nach beendeter Erbsensuppe ein letztes Mal zum „Zettel-Wart“ und holt sich seinen Pokal. Er ist überraschend groß, und oben kann man den „Deckel“ abnehmen. Prima denkt Lars, da kann man daheim wunderbar Süßigkeiten drin aufbewahren.

Mit seinem Pokal geht Lars zurück zum überfüllten Parkplatz, wirft nur kurz einen Blick auf den Krankenwagen, der mit Blaulicht beim Fußballplatz steht, und fährt mit dem Pokal heim zu Lisa.

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