Adventure-Paddeln an der Nahe

Nachdem 2018 ja ein einziges Hitze-Jahr war, was Lars und Lisa gar nicht so mögen, beginnt 2019 Sonnen-technisch eher moderat. Als aber dann Anfang Juni doch das erste Hitze-Wochenende vor der Tür steht schlägt Lisa eine erfrischende SUP-Tour vor: an der Nahe!

Das bisherige SUP-Stammgebiet an der Lahn hat sich immer mehr als überlaufenes, volles Party-Ruder-Gebiet entpuppt, an dem man teilweise sein Boot gar nicht einsetzen darf („Hier darf nur Manni mit seinem Boot ins Wasser, für andere ist es streng verboten, weil sich sonst der Metall-Steg abnutzt und Manni dann böse wird“) und wo man von lauten Rentner- oder Disco-Booten überholt wird, gern mit Kommentaren aus der Vor-#MeToo-Ära (Beispiele erspare ich mir).

Also hat Lisa auf einem SUP-Forum einen Nahe-Beitrag entdeckt und bricht zusammen mit Lars und seinem Aldi-Billig-Schlauchboot Sonntag morgens auf Richtung Staudernheim. Vom dortigen Bahnhof geht es mit der Regionalbahn ein paar Stationen westlich nach Hochstetten-Dhaun, von wo aus die Tour beginnt. An einer verwaisten Straße entlang und über eine mittelalterlich aussehende Brücke hinweg geht es durch dorniges Brennessel-Gewächs hinunter ans Wasser. Wie immer ist Lisas SUP in Nullkommanichts aufgepumpt, während Lars sich mit seinem Schlauchboot abmüht. Aber er will es ja nicht anders! Dann sind schließlich beide Gefährte fahrbereit, und ab damit ins Wasser! Rucksack und Pumpen landen im Boot von Lars, und es geht los!

Die ersten paar hundert Meter sind ein Traum, wunderbares Wasser, weit und breit kein anderes Boot und eine angenehme Stille. Warum sind hier eigentlich nicht mehr Boote unterwegs? Die Antwort kommt nach zirka dem ersten Kilometer: Lautes Gluckern und Gurgeln zusammen mit weißem Schaum kündigt eine eher flache Stelle an – teilweise sieht man einzelne Steine aus dem Wasser aufstehen! Aber geschickt fährt Lisa an den Felsbrocken herum, und auch Lars manövriert sein Boot gut dran vorbei. Dieses flache Stück war easy! Zehn Navigierpunkte für Lars und Lisa!

Aber so einfach ist es nicht immer… Ruhige, tiefe Abschnitte, an denen Lisa wirklich stand-up-paddeln kann, wechseln sich mit wilden Strudel-Stellen ab. Teilweise ist es so flach, das Lisas Flosse an Steinen hängen bleibt, und auch Lars‘ Boot setzt auf! Zum ersten – aber nicht zum letzten Mal – müssen sie raus ins Wasser, um Boot bzw. SUP zum Weiterfahren zu bewegen. Das sorgt aber auch für Erfrischung und Abwechslung, denn mittlerweile brezelt die Sonne ziemlich runter. Lediglich die tausend Steine im Flussbett fühlen sich an den Füßen unangenehm an.

Die Nahe ist in diesem Abschnitt wirklich sehr schön und ruhig, man trifft außer ein paar Spaziergängern am Ufer oder ein paar Badenden so gut wie niemand. Boote gibt es quasi gar keine, vermutlich machen die flachen Stellen einem lahn-mäßigen Bootsverkehr einen Strich durch die Rechnung. Den beiden ist das recht, wobei manche Stellen gleichzeitig flach und abschüssig sind, so dass man mehr oder weniger unkontrolliert mit Boot oder SUP die Nahe entlangrutscht. So ein bißchen wie in den Teufelsfässern im Europa-Park.

Aber noch ist alles gut gegangen. Lars hat ja in seinem Boot hinten den Verpflegungsrucksack mit Geld, Handtuch, Sonnencreme und anderen nützlichen Dingen, und die Stromschnellen waren bisher nicht wild genug, um das Boot in Gefahr zu bringen. Doch dann kommt eine Stelle, an der ein größerer Felsrücken im Flusslauf liegt, der quasi terrassen-artig für eine Stufe sorgt. Es ist klar, dass man hier aussteigen und „zu Fuß“ über den Felsen muss. Lisa meistert das auch recht souverän, aber als Lars mit seinem Boot über den Felsen klettert und an der Felsnase nach unten will, drückt die Strömung brutal gegen das Boot. Lars verliert das Gleichgewicht, landet im Wasser und kann auch das Boot nicht mehr kontrollieren, das von der Strömung gegen einen großen Busch gedrückt und umgedreht wird! Oh nein, der Rucksack! Das Geld! Die Luftpumpen für die Boote! Lars hat hier wirklich die Kraft der Strömung unterschätzt, das Boot treibt jetzt mit dem Boden nach oben die Nahe weiter! Von Rucksack, Pumpen und allem anderen ist keine Spur zu sehen. Lars befürchtet, dass all die Dinge von der Strömung ebenfalls weggetrieben werden und ist kurz panisch!

Weiter vorne sieht Lisa das Boot von Lars falsch herum auf sie zutreiben, und von Lars zunächst keine Spur. Liegt der arme Lars unterm Boot? Aber dann sieht sie ihn an der Strömung stehen und verzweifelt gestikulierend aufs Boot zeigen. Lisa, die ja mittlerweile wieder in ruhigerem Gewässer ist, hält es auf und dreht es um: Glücklicherweise sind die allermeisten Dinge wie Rucksack und Luftpumpen zwar ins Wasser gefallen, aber auch im Bootsinneren geblieben und nicht, wie von Lars befürchtet, von der Nahe im halben Hunsrück verteilt! Die irritiert-belustigt-kopfschüttelnden Blicke der am Ufer sitzenden Einheimischen ignoriert Lars. Er kämpft sich zum Boot vor und sammelt 50 Meter weiter im Wasser Sonnencreme, seine beiden Sportsocken und eine Wasserflasche ein, die harmonisch nebeneinander die Nahe entlanggetrieben sind. Später wird einzig das Handtuch von Lars als Verlust verzeichnet werden. Nochmal Glück gehabt!

Und so geht es weiter. Flache Stellen, an denen sich Lisa eine intelligent-einklappbare Flosse wünscht (Flosse 2.0 oder auch SmartFlosse) wechseln mit ruhigen, schönen tieferen Stellen ab. Man muss zwar immer wieder mal in die Nahe, um weiter zu kommen, aber das sorgt für Erfrischung, und beide haben auch mittlerweile ihre Turnschuhe an, so dass die sch… Steine nicht so schmerzhaft an den Füßen sind.

In Bad Sobernheim gönnen sich Lars und Lisa eine kleine Pause in einem Kaffee („im schwedischen Stil“ !?) mitsamt Limo und Kuchen (Lars) bzw. Waffel (Lisa), was beides lecker ist. Sie haben den allergrößten Teil geschafft, und es sind nur noch zwei Kilometer bis zum Parkplatz in Staudernheim. Aber nach der Stärkung zurück in der Nahe passiert es: an einer weiteren flachen Stelle setzt Lars wieder mal auf Steinen auf, aber dieses Mal macht sein Schlauchboot nicht mehr mit: Pffffff. Anscheinend hat es einen kleinen Riss, der Hauptboden verliert langsam seine Luft. Als Lars und Lisa am Barfußpfad in Bad Sobernheim vorbeipaddeln, hat Lars sein Billigboot schon unfreiwillig „tiefergelegt“ und sitzt quasi direkt auf dem Wasser. Abgesehen davon, dass immer wieder Steine im Flachbereich Lars‘ Hintern pieksen ist das Paddeln auch eher anstrengend. Lisa hat Mitleid und bietet „Abschlepp-Hilfe“ an, aber da das Ziel vor Augen liegt zieht Lars das allein durch.

Doch ziemlich angestrengt kommen beide am Zielort an und kriechen aus dem Wasser. Lars hat sich mal wieder nur unzulänglich eingecremt und hat einen fiesen Sonnenbrand rund um die weiße Fläche von der Uhr am Handgelenk – sexy!

Aber insgesamt war es eine sehr schöne, abwechslungsreiche, erfrischende und ruhige Tour, auch wenn Lars jetzt versuchen muss daheim sein Boot zu flicken. Lisas Flosse ist wie von Zauberhand heil geblieben, und nachdem Lars die eingetrocknete Bananenschale entfernt hat, die er beim Parken morgens auf dem Auto vergessen hat mitzunehmen (!), und die schon leichte Imprägnierspuren am Auto aufweist geht’s leicht erschlagen nach Hause.

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