Intensiv-Suppen im Nationalpark „De Biesbosch“ – Teil 1

Nachdem Lisa ja bereits letztes Jahr auf dem Weg nach Schottland eine SUP-Runde im Nationalpark De Biesbosch in der Nähe von Dordrecht in den Niederlanden gedreht hat und es sehr schön fand, ist sie nun zusammen mit Lars hier, um das Gebiet zu ersuppen. Während Lisa damals noch den Einstieg in Drimmelen gewählt hat und dazu die stark mit Tankern und ähnlichem Ungetümen befahrene Maas überqueren musste hat sie dieses Mal gleich die andere Fluss-Seite bei Hank als Startpunkt ausgewählt.

Da Lars ja seit einigen Wochen stolzer Besitzer des reduzierten „Fortgeschrittenen“-SUP von Decathlon ist und von einem Arbeitskollegen ordentliche Paddel geliehen hat, muss er nicht mehr mit dem notdürftig geflickten Billig-Schlauchboot von Aldi unterwegs sein. Und auch Lisa hat ihr etwas dünnes Einstiegs-SUP um ein dickeres, hübsch anzusehendes Touren-SUP ergänzt, mit Packnetzen vorne und hinten – eine gute Idee, wie sich vor allem am zweiten Tag herausstellen wird.

Nach der entspannten Anreise über Essen (dort gibt es Bushaltestellen auf dem Mittelstreifen einer Autobahn!) sind Lars und Lisa in Hank angekommen, und nachdem sie ihr gemütliches Bed&Breakfast in einer ausgebauten Garage bezogen haben ging’s auch gleich los zur ersten Runde suppen. Gegen einen kleinen Unkostenbeitrag dürfen Lars und Lisa ihre SUPs in einem Bootseinstiegs-Bereich zu Wasser lassen. Der etwas verwirrte Betreiber kriegt von seinem jüngeren Kollegen noch erklärt was wir da eigentlich genau für „Boote“ haben – und hält das „Stehen auf Surfbretterbooten“ seiner Mimik nach zu urteilen für einigermaßen bescheuert, aber das kümmert uns nicht. Wir dürfen unsere SUPs aufblasen und dann auf dem Steg ins Wasser lassen, kein Problem.

Schnell sind die beiden SUPs ausgepackt, und natürlich hat Lars mal wieder den üblichen Inflate/Deflate-Knopf-Fehler gemacht und fällt bei zirka 10 PSI und kurzem Schlauch-rausziehen in Sekunden wieder auf 0 PSI zurück. PSI ist übrigens die hübsche Einheit „pound-force per square-inch“, also Pfund pro Quadratzoll („Hoppla hier kommt das metrische System“, ein alter Troy McClure-Filmklassiker). Für Freunde der Einheiten-Umrechnung entspricht dies 6895 Pascal oder 0,07 bar….

Nach diesem Fehler fällt das erneute Aufpumpen deutlich schwerer, aber irgendwann haben es Lars und Lisa geschafft, und es kann losgehen. Es ist später Nachmittag an einem Sonntag, außerdem Ferienzeit und schönes Wetter, im Wasser sind allerlei Sport- und Motorboote und recht wenig Artgenossen, die auf Muskelkraft setzen. Lars und Lisa paddeln los, wobei Lisa wie üblich mit ihrem eingebauten Navi 2.0 und dem iPhone die Lotsung übernimmt. Nach einem kurzen Abstecher in die falsche Richtung und häufigem Ausbalancieren von Fahrtwellen anderer Boote kommen Lars und Lisa aber schließlich wie geplant in einen ruhigen kleinen Seitenarm.

Hier ist deutlich weniger los, weil es einfach schmaler und kurvenreicher ist und man nur mit kleineren Sportbooten diesen Teil befahren kann. Lars und Lisa genießen die Natur und (meistens) auch die Ruhe. Es geht durch eine kleine Brücke hindurch und langsam schlängelnd diesen Seitenkanal entlang. Immer wieder stoßen die beiden auf Entenfamilien beim Schwimmtraining und Wasservögel mit bizarren Flugversuchen entlang der Wasseroberfläche (Albatros Airlines). Einfach schön und entspannend!

So suppen die beiden durchaus einige Kilometer, und Lisa frägt immer wieder leicht besorgt bei Lars nach dem Fitness-Zustand mit dem Hinweis „Es ist noch ein gutes Stück“. Dabei kommen Lars und Lisa auch immer wieder auf breitere Abschnitte, auf denen dann auch wieder ordentlich Bootsverkehr ist. Dabei fällt ihnen mehrfach das Alter mancher Bootsführer auf. Besonders verdächtig sind zwei Mädchen in einem Sportboot, die mit hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbeibrausen; die junge Dame am Steuer darf nach Lars‘ Schätzung altersmässig sicherlich weder rauchen noch Alkohol trinken. Möglicherweise sind die Vorschriften zum Mindestalter für das Führen von Booten in den Niederlanden eher lax, oder aber die Eltern haben großes Vertrauen, dass da „schon nix passiert“.

In solchen Situationen sind Lars und Lisa immer wieder gezwungen, im Sitzen oder im Knien zu paddeln. Die Profi-Paddel des Arbeitskollegen sind Gold wert, mit Lars „Suppenlöffel“ (Zitat Lisa) vom Decathlon wäre das alles sicher mühsamer gewesen. Dennoch wird Lars langsam angestrengt und auch leicht müde, und am Himmel wird es langsam dämmrig. Aber Lisa sagt „Es ist noch ein gutes Stück“.

Doch die Landschaft und die Ruhe belohnen für die Anstrengung. Zur Stärkung gibt’s die guten cliff-bar-Sportriegel vom Globus, aber auch die etwas weniger guten „energy-cakes“ (auch „Backsteine“ genannt). Auf einem etwas breiteren Stück kommen sie an einem niederländischen Herrn am Ufer vorbei, der wie wahnsinnig aufs Wasser schreit. Sie denken im ersten Augenblick dass sie gemeint sind, aber der Herr versucht wohl eine Abschlepp-Aktion auf der anderen Ufer-Seite zu orchestrieren. Lars und Lisa verziehen sich aus dem Gebrüll.

Langsam wird es immer dämmriger, es sind deutlich weniger Boote unterwegs wie noch zu Beginn. Lars hat immer wieder die Hoffnung, dass nach der nächsten „Nase“ altbekanntes Gebiet erscheint und die Rückkehr nah ist, aber wird ein ums andere Mal enttäuscht. Ein kurzes Stück geht es sogar auf der mega-breiten Maas entlang, beide halten sich eng in Ufernähe, ohne dabei natürlich die Tauchübungen der Entenfamilien zu gefährden, und biegen schließlich wieder in einen idyllischen Seitenkanal ein. Dort ist es sofort windstill und ruhig, und Lars und Lisa können wieder einige Zeit im Stehen paddeln. Es kommen mittlerweile so gut wie keine Boote mehr vorbei, und Lisa sagt erstmals nicht mehr „Es ist noch ein gutes Stück“, sondern „Wir sind auf dem Rückweg“….

Und tatsächlich erkennt Lars bald die kleinen schlängelnden Kanäle und auch die Brücke wieder, durch die sie bereits am Anfang gepaddelt sind. Die Dämmerung ist voll da, ebenso fiese Mücken, die einem penetrant um den Kopf oder die Beine schwirren. Lars‘ Versuche, sie während des Stehpaddelns mit der anderen Hand zu verjagen münden mehrmals gefährlich nahe am Gleichgewichtsverlust und Beinahe-Abgang ins mittlerweile dunkel-undurchsichtige Wasser. Glücklicherweise kann Lars trotz Müdigkeit diesen GAU vermeiden.

Schließlich haben sie es geschafft, und kommen leicht erschöpft, aber zufrieden am Bootshafen an. Trotz Dämmerung sind noch immer ein paar Boote unterwegs, und ein paar rotznasige Rowdys meinten noch kurz vor Lars‘ Ankunft links und rechts an ihm vorbei heizen zu müssen. Aber das kann ihn auch nicht schrecken, in Sitzposition meistert er die Wellen, die seitlich auf ihn zulaufen. Aber er muss auch betonen dass dies die Ausnahme war, die allermeisten Boote haben langsam gemacht und das Gas gedrosselt, wenn sie an Lars und Lisa vorbei fuhren. Das war wirklich angenehm zu sehen, dass hier Rücksicht genommen wird.

Schnell lassen Lars und Lisa die 17 Pfund pro Quadratzoll raus und packen die SUPs ins Auto. Restaurants servieren um die Zeit (kurz nach 22.00) kein Essen mehr, also fahren die beiden in ihr Bed&Breakfast, essen Brot und Apfel, hören auf dem Plattenspieler die A-Seite der Abbey Road (dessen Cover-Foto genau heute 50ten Geburtstag feiert), und Lars fällt danach doch recht erschlagen ins Bett.

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